Automotive Fotografie - Technik / Teil 1

Hello :)

Lange hatte ich keine Motivation hier etwas zu schreiben und nun habe ich endlich wieder Lust zum schreiben bekommen. Wie du dem Titel entnehmen konntest, geht es in dieser Serie um die Technik hinter der Automobilfotografie. Ich bekomme des Öfteren Anfragen bezüglich der Technik hinter meinen Bilder. Darum versuche ich die Technik in dieser Serie dir näher zu bringen sodass auch du Spass an der Fahrzeugfotografie hast!


Automobilfotografie hat sehr viele technische Elemente. Diese werde ich hier nun erklären damit der Ablauf und Aufbau einer solchen Fotografie verständlicher wird. Die nachfolgenden Methoden sind bei weitem keine Richtlinien, sondern sind vielmehr Mittel zum Zweck um ein Ziel zu erreichen. Sei dies hervorheben von Konturen, Farben, Erstellen von „Moods“ oder auch entfernen von Störelementen, welche den Betrachter ablenken könnten.

 Beginnen werde ich mit der einfachsten aller Methoden:

Natürliches Licht

Natürliches Licht ist die einfachste Methode um schnelle Resultate zu erzielen. Wichtig hier sind vor allem Zeit und Ort, als auch Ausrichtung des Fahrzeuges zur Sonne resp. zum angestrahlten Untergrund. Bevorzugter weise wird in der blauen oder goldenen Stunde fotografiert um eine Art grosse Softbox zu simulieren. Aus diesem Aspekt entstehen Reflektionen, welche die Formen des Fahrzeuges unterstützen. Der Zeitfaktor ist bei natürlichem Licht nicht zu unterschätzen, da durch eine falsche Zeitwahl sehr hartes Licht mit sich zieht und somit auch harte Reflektionen von angestrahlten Objekten rund um das Fahrzeug. Diese können auch gezielt als Stilmittel eingesetzt werden um das Design des Fahrzeuges hervorzuheben.

Um mit natürlichem Licht zu arbeiten ist prinzipiell nicht viel Material notwendig. Es sei denn, man möchte gezielt Reflektionen vor der Postproduktion minimieren. Hierfür ist eine saubere Ausrichtung zur Sonne notwendig: Scheint die Sonne direkt in die Kamera, d.h. das Fahrzeug steht zwischen Fotograf und Sonne wird die Schattenseite in der Regel von der Landschaft angestrahlt (diese wird von der Sonne beleuchtet), resp. das Fahrzeug reflektiert diese. Somit entstehen sehr schöne, vor allem saubere Reflektionen. Grundsätzlich hat man mit dieser Methode die meisten Möglichkeiten, sodass diese auch von vielen Fotografen angepriesen wird. (siehe Bild; Ausrichtung mit Heck zur Sonne, hat zur Folge, dass Front und das Seitenprofil saubere Reflektionen bekommen und das Design ersichtlich wird)

Bloch Optic Frühling_14.jpg

 Timing spielt eine wichtige Rolle: Viele kenne das von der Portraitfotografie, Goldene Stunde ist die Shootingzeit, welche viele Fotorafen lieben. Selbiges gilt für diese Fotografie von Autos. Durch den tiefen Sonnenstand verhält sich der Himmel wie eine grosse Softbox und das Fahrzeug wird gleichmässig ausgeleuchtet. Nebst diesem Vorteil gibt es auch oft die schönen Flares ;)

Zum natürlichen Licht zählt nicht nur die Sonne, auch das Umgebungslicht an sich gehört dazu. D.h. auch Strassenlaternen. Durch diese entstehen oftmals gemischte Lichtverhältnisse, welche diverse, ungewollte Farben auf das Fahrzeug reflektieren. Diese sind jedoch nur noch via. Anblitzen oder Postproduktion zu lösen. (siehe Abschnitt Postproduktion)

Wichtig, um Reflektionen gewollt zu setzen, ist die Positionierung des Fahrzeuges zu Sonne und die Positionierung des Fotografen zum Fahrzeug. (Ich kann das nicht oft genug betonen) Dabei spielt auch die Höhe des Aufnahmepunktes eine Rolle wie sich Reflektionen zu den Formen verhalten.

Polarisationsfilter

 Polarisationsfilter, kurz „Polfilter“ werden dann verwendet, wenn ungewollte Reflektionen die Formen und Farben des Fahrzeuges stören. Sehr oft auch in Kombination mit natürlichem Licht. Polfilter sind nur am Tag wirklich effektiv, wenn die Sonne scheint, da ansonsten nur wenig Licht polarisiert werden kann. Polarisationsfilter werden auf das Objektiv geschraubt um dort nur noch polarisiertes, also gerichtetes Licht, durchzulassen und so Reflektionen zu minimieren. Sehr hilfreich sind diese bei bewölktem Himmel, da sich die Wolken als undefinierte Farbveränderungen auf dem Lack widerspiegeln. Diese Farbveränderungen vermitteln dem Betrachter ein dreckiges Fahrzeug oder einen fleckigen Lack, was man verhindern möchte. Durch den Polfilter entstehen tiefe, gesättigte Farben.

Am effektivsten ist ein Polarisationsfilter 90 Grad zur Sonnenausrichtung. Diese Aussage stimmt zwar für Landschaften, jedoch nicht für Fahrzeuge, denn: Fahrzeuge reflektieren die umliegende Umgebung, somit auch das umliegende Licht, wobei auch viel mehr als nur 90 Grad reflektiert wird. Somit ist es auch möglich einen Polfilter wie im Bild von vorhin (siehe GLC Rot) zu verwenden um Front oder Seite zu „entspiegeln“.  

polarisation_neu1.png


 

 

 

 

 

Prinzipiell gibt es 2 verschiedene Arten von Polarisationsfilter (für Objektive): Schraub- und Steckfilter. Ich empfehle immer die Steckfilter, denn auch hier gibt es eine Schraubvariante, die nicht direkt auf das Objektiv geschraubt wird sondern auf das Filtersystem.

Bekannt hierfür ist Lee Filter. Durch das freie Drehen des Filters ist es auch möglich weitere Filter zu verwenden ohne diese mit zudrehen. Das Freidrehen des Polfilters, ermöglicht es zudem auch mehr Reflektionen zu minimieren, resp. freier zu Arbeiten.

Das wars schon mit dem ersten Teil, bald geht's weiter mit Teil 2 und dem Thema Blitzen.

Bis dahin, Gutes Licht!

Cedric