Milchstrasse fotografieren! Wie ich sie fotografiere und wie DU das auch kannst.

Hello!

Gerade sitze ich draussen vorm Laptop und schreibe an diesem Blogeintrag. Seit mehreren Minuten versuche ich eine gescheite Einleitung zu schreiben, aber bisher ohne Erfolg. Darum geh ich gleich zum Thema über:

In diesem Blogeintrag möchte ich dir, liebe/r Leser/in, mein Setup fürs Milchstrasse fotografieren zeigen. 

Ich unterteile diesen Blogeintrag mal gekonnt in folgende Teile auf:

  • Equipment
  • Einstellungen in der Kamera + Regeln
  • Planung des Shootingortes

 

Equipment

Die Milchstrasse zu fotografieren benötigt glücklicherweise nicht viel Equipment. Dazu notwendig sind eigentlich nur eine Kamera, ein Weitwinkelobjektiv und ein Stativ. Ich verwende für meine Bilder eine Canon 6D und das 16-35mm f/2.8 L mit einem Manfrotto Stativ.

Die Kamera

Als Kamera kann ich nur wärmstens eine Vollformat-Kamera empfehlen. Wieso? Ganz einfach: 

  1. Um einen schönen Ausschnitt der Milchstrasse zu fotografieren, ist es zwingend mit einem Weitwinkelobjektiv zu arbeiten. Dazu bietet sich natürlich ein Vollformatsensor ohne Cropfaktor an. Bei einem Sensor mit Cropfaktor würde die Brennweite wieder mit diesem verrechnet werden und der Bildausschnitt sofort kleiner. Also kontraproduktiv.
  2. Vollformat hat aufgrund des grösseren Sensors tendenziell weniger Rauschen. Das ist natürlich ein Faktor, welcher in der Astrofotografie eine grössere Gewichtung hat. Ein Bild der Milchstrasse kann noch so schön sein, aber wenn durch das Rauschen alle Details verloren gehen, ist es trotzdem unbrauchbar.

Nachteil einer Vollformatkamera: Der Preis. 

Das Objektiv

Weitwinkel ist hier das Zauberwort. Ohne Weitwinkel wird's schwierig solch einen Ausschnitt zu erhalten:

Das obige Bild habe ich bei Brennweite 16mm gemacht. Bei einer längeren Brennweite, würde einfach ein kleinerer Ausschnitt zu sehen sein. Zusätzlich sollte das Objektiv offenblendig sein. D. h. eine 2.8er Blende oder grösser ist von Vorteil, jedoch nicht zwingend. Eine grosse  Blende ist vorallem dann hilfreich, wenn man mit kürzeren Belichtungszeiten arbeitet, ohne das Bild zu unterbelichten.

Kurz zusammengefasst sollte das Objektiv also folgende Eigenschaften besitzen: ca. 16mm Brennweite (Vollformat) und Offenblende (f/2.8 oder grösser). 

Natürlich kann das ganze Setup auch auf einer "Cropfaktor-Basis" aufgebaut werden. Wenn Du jedoch, so wie ich, auf die best mögliche Qualität aus bist, empfehle ich ein Vollformat-System.

Als Zwischenlösung bietet sich eine Mischung aus Cropsensor-Kamera mit einem L Objektiv an.  Würdest du später die Kamera upgraden, lässt sich das Objektiv trotzdem noch verwenden. 

Das Stativ

Ein Stativ ist ein absolutes Muss! Ausser du kannst deine Kamera für 20s regungslos halten. :D Zum Stativ selber gibt's prinzipiell nicht viel zu sagen. Es sollte stabil sein, sodass die Aufnahmen nicht verwackeln.

 

Einstellungen in der Kamera + Regeln

Grundsätzlich arbeite ich immer mit den gleichen Einstellungen:

20s / ISO 3200 oder 4000 / Blende 2.8

Die Verschlusszeit sollte mit einer Regel berechnet werden. Grund hierfür ist die Rotation der Erde. Wählst du die Verschlusszeit zu lang, so verwischt die Milchstrasse. So würden dann Startrails entstehen. Ich verwende fürs berechnen der Verschlusszeit diese Faustregel: 

500/Brennweite(mm) = Verschlusszeit 

D.h bei einer Brennweite von 16mm (Vollformat) erhalte ich eine max. Verschlusszeit von 31.25s. Ich verwende trotzdem eine kürzere Verschlusszeit, einfach um sicher zu gehen. Jede längere Verschlusszeit würde bei 16mm zu Startrails führen.

Beim ISO darfst du dir sehr gerne die Frage stellen, wieso dieser jetzt so hoch eingestellt ist. Jetzt hat der doch gerade erst geschrieben, dass er das Rauschen verhindern möchte indem er einen Vollformatsensor anstelle eines Cropsensor benützt, und jetzt so was?! 

Ja. Das hat einen Grund: Die Kamera ist gar nicht im Stande mit einem tieferen ISO und dieser Verschlusszeit genügend Licht einzufangen, sodass die Milchstrasse sichtbar würde. Darum ISO 3200/4000.

Blendentechnisch arbeite ich immer mit der grösst möglichen Blende. Grössere Blende = Mehr Licht bei gleicher Verschlusszeit. Daraus kann auch der Schluss gezogen werden, dass mit einer grösseren Blende, eine kürzere Verschlusszeit möglich ist! 

 

Planung des Shootingortes

Zuerst einmal solltest du soweit wissen, wann und wo die Milchstrasse sichtbar ist. Hierfür gibt es Apps wie Photopills oder Star Walk. Grundsätzlich ist das Zentrum unserer Galaxy, also die Milchstrasse in unseren Breitengraden im Sommer sichtbar. Weiter zu beachten sind folgende Faktoren: Mondstand, Wolken und Lichtverschmutzung.

Es macht absolut keinen Sinn bei Vollmond oder bewölktem Himmel die Milchstrasse zu fotografieren. Bei Vollmond ist einfach zu viel Gegenlicht vorhanden und ein bewölkter Himmel sollte selbsterklärend sein. 

Nicht zu unterschätzen ist auch die Lichtverschmutzung. Ich empfehle jeweils einen Abstand von ca. 50km zur nächsten Stadt. Zudem solltest du einen Standort südlich der Stadt wählen, da die Milchstrasse auch südlich am Himmel steht. Ansonsten sind die 50km nutzlos. 

D.h. optimale Bedingungen sind folgende: Sommer, Neumond, wolkenloser Himmel und ein geschickt gewählter Standort. 

Befolgst du diese Ratschläge, sollte deinem Milchstrassebild nichts mehr im Weg stehen. 

Gut Licht,

Cédric